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Schatten der Vergangenheit - 21. Kapitel
mimi, pommes, handball
ayrenni

 

Hotel Mini

Dominiks Hände zitterten so stark, dass er die Tasse beinahe fallen gelassen hätte, die er gerade aus dem Küchenschrank nehmen wollte, um Mimi wie versprochen seinen Tee zu kochen. Irgendwie schaffte er es jedoch, die Tasse gerade noch so und mit einem eindeutig lauteren Geräusch, als eigentlich nötig gewesen wäre, auf der Arbeitsfläche abzustellen, bevor sie ihm durch die Finger gerutscht wäre.

Schwer stützte Mini sich daraufhin ein paar Sekunden lang auf dem Küchenregal auf, starrte mit blicklosen Augen in die noch leere Porzellantasse mit Häschenaufdruck, die vor ihm stand. Er atmete dabei ein paar Mal tief durch. Im Hintergrund war das Geräusch des Wasserkochers zu hören, in dem sich das Wasser langsam erhitzte und deutlich hörbar zu sprudeln begann.

Aus dem Wohnzimmer war kein Laut zu hören. Das wäre im Augenblick auch zu viel für Mini gewesen, denn noch immer schwirrten Mimis Worte in Dominiks Kopf herum, ließen ihn nicht los. Gerade eben war er sogar beinahe erleichtert gewesen, dass Mimi so ehrlich zu ihm gewesen war. Und jetzt?

Mimi wollte also weiterhin mit ihm befreundet sein, hatte er zumindest behauptet. Nicht mehr, als Freundschaft, wollte er. Und Dominik hatte auch noch eingewilligt, hatte gesagt, dass er das auch wollte…

Verdammt noch mal, wem versuchte er hier eigentlich etwas vorzumachen?

Er wollte nicht, dass Mimi nur ein Freund für ihn war. Er wollte den anderen, wollte mehr von ihm als nur seine Freundschaft. Wollte ihn ganz, als Partner, als festen Freund. Als Liebhaber und engsten Vertrauten. Aber das hatte er Mimi doch nicht so sagen können. Nicht, nach der Reaktion des Lemgoers auf Dominiks Outing. Genau so wenig wie er dem anderen hatte sagen können, dass er Mimi nicht mehr hier bei sich haben wollte.

Weil er ihn ganz einfach nicht wegschicken konnte, es ganz einfach nicht übers Herz brachte. Allein schon wegen der Tatsache, dass der Spielmacher krank war – und Dominik einen relativ großen Anteil an der Tatsache hatte, dass sich der Gesundheitszustand des Lemgoers noch einmal verschlechtert hatte. Und auch, wenn er sich die Wahrheit eigentlich nicht wirklich eingestehen wollte – er hätte Mimi wohl auch nicht rausgeworfen, wenn der andere kerngesund und komplett fit für die Heimreise nach Lemgo gewesen wäre.

Außerdem musste er sich wohl mit der Tatsache abfinden, dass ihn und Mimi auch in Zukunft nicht mehr als eine platonische Freundschaft verbinden würde. Besser, er gewöhnte sich jetzt schon mal an diesen Gedanken, als sich noch weiterhin sinnlose Hoffnungen zu machen und doch nur immer wieder bitter enttäuscht zu werden.

Auch, wenn diese kleine, nervtötende Stimme in seinem Hinterkopf, die sich so schwer unterdrücken ließ, ihm Zweifel einreden wollte, ob diese Hoffnungen tatsächlich so unbegründet und ausweglos waren. Heute Morgen, als er Mimis Hände und Lippen so sanft auf seiner Haut, auf seinen Gesichtszügen, gespürt hatte, hätte Dominik ihr ja beinahe geglaubt – aber für den Moment hatte er genug von irgendwelchen absurden Hoffnungen. Mimi hatte ihm gesagt, was Sache war. Ein für allemal. 

Das Klicken des Wasserkochers, der sich automatisch ausschaltete, als das Teewasser den Siedepunkt erreicht hatte, riss Dominik ziemlich plötzlich aus seinen Gedanken. Mini atmete tief durch, bevor er mit etwas ruhigeren Händen einen Beutel Pfefferminztee aus dem Küchenschrank hervorholte und das heiße Wasser dann in die Tasse goss.

Alles Grübeln würde ihm diese Situation nicht leichter machen, soviel war ihm eigentlich klar. Seine Gedanken komplett abstellen konnte er allerdings auch nicht. Doch erstmal musste er sich jetzt den für den Moment wichtigen, praktischen Dingen widmen.

Während er den Tee ziehen und gleichzeitig etwas abkühlen ließ, durchforstete Mini daraufhin seine Vorratschränke, um nach irgendetwas Essbarem Ausschau zu halten, das Mimi auch in seinem momentanen Zustand vertragen würde. Er selbst würde sich wohl einfach eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, die er noch in seinem Gefrierfach entdeckt hatte,  beschloss er spontan. Er hatte nämlich wirklich keine große Lust mehr, heute noch einkaufen zu gehen oder irgendetwas zu kochen.

Umso mehr freute ihn deswegen auch die Dose, die er in einem der hinteren Winkel eines seiner Küchenregale entdeckte. Er hatte nicht die geringste Ahnung gehabt, dass er Suppenkonserven im Haus hatte – und er konnte sich eigentlich auch nicht so wirklich erklären, wer die wohl gekauft hatte, denn für gewöhnlich gehörte Suppe nicht unbedingt zu Dominiks Lieblingsgerichten. Am ehesten tippte Mini da allerdings noch darauf, dass seine Mutter bei einem ihrer Besuche irgendwann mal für ihn eingekauft hatte und die Dose so ihren Weg in Minis Küche gefunden hatte…

Aber war ja eigentlich auch egal, wo genau die Dose hergekommen war – Hauptsache, Mini hatte etwas Essbares für Mimi gefunden.

Schulter zuckend holte Dominik jetzt also die Dose Hühnersuppe aus dem Schrank und kippte den eigentlich ganz appetitlich aussehenden Inhalt gleich in einen Topf, um das Essen zu erwärmen. Auch die Pizza Speziale fand ein paar Sekunden später ihren Weg in den Backofen. So langsam merkte Mini nämlich auch, dass er eigentlich den ganzen Tag über noch nichts in den Magen bekommen hatte – das Frühstück hatte er heute Morgen ja aus Zeitgründen auslassen müssen und der ganze Streit mit Mimi hatte ihn sowieso jeden Gedanken an so unwichtige Bedürfnisse wie Essen auf der Stelle vergessen lassen.

Und das Training war eben doch nicht ohne gewesen, so dass Dominiks Magen jetzt doch schon deutlich hörbar gegen eine derartige Vernachlässigung protestierte.

Als das alles schließlich erledigt war, griff Dominik schließlich nach der Teetasse, die noch immer ziemlich heiß war, gab eine gute Portion Honig hinein und trug sie dann vorsichtig, um ja nichts zu verschütten, ins Wohnzimmer hinüber. In dem anderen Raum angekommen blieb Mini jedoch erstmal kurz stehen, um das Bild, das sich ihm daraufhin sofort nach seinem Eintreten bot, richtig verinnerlichen zu können.

Mimi lag nämlich jetzt wieder auf Dominiks bequemer Wohnzimmercouch, fest in Minis Bettdecke eingekuschelt. Anscheinend waren dem Lemgoer die Augen zugefallen, während Dominik in der Küche zu Gange gewesen war, auch wenn Mini sich sicher war, dass er höchsten zehn Minuten gebraucht hatte, um den Tee zu kochen und ihr Essen vorzubereiten. Aber anscheinend war der Tag nicht nur für Mini anstrengend gewesen – gerade wegen Mimis angeschlagenem Gesundheitszustand forderte die Aufregung der letzten paar Stunden wohl jetzt schon seinen Tribut von dem Spielmacher.

Mit einem kurzen Blick über die Schulter und auf die Wanduhr, die im Wohnzimmer hing, stellte Dominik fest, dass es zwar eigentlich erst kurz nach sieben Uhr abends war. Und dennoch fühlte auch er sich selbst inzwischen erschöpft genug, um ins Bett fallen, die Augen zu schließen und sofort darauf ganz einfach einschlafen zu können. Da war es also kein wirkliches Wunder, dass Mimi die Augen bereits zugefallen waren.

Ein kleines, sanftes Lächeln schlich sich bei dem Anblick des schlummernden Spielmachers jedoch unaufhaltsam auf Dominiks Gesicht, als er so leise wie möglich weiterhin einen Fuß vor den anderen setzte und sich Schritt für Schritt seinem eigenen Sofa näherte. Mimi sah so friedlich aus, wie er dalag und offenbar tief und fest schlief. Seine Wangen waren leicht gerötet – wahrscheinlich eine Tatsache, die seiner erhöhten Körpertemperatur zuzuschreiben war.

Doch gerade das machte das Bild nicht unbedingt weniger anziehend für Dominik…Eher im Gegenteil…

Dominik schluckte schwer, als er sich jetzt dieser beinahe perfekten Versuchung gegenübersah. Es war inzwischen nicht mal mehr ein Meter, der ihn von der schlafenden Gestalt des Lemgoer Spielmachers trennte. Der Kieler konnte die leisen Atemzüge des Lemgoers inzwischen klar und deutlich hören, außerdem nahm er wahr, wie sich bei jedem Luftholen Mimis Brustkorb hob und anschließend wieder senkte.

Mini machte einen weiteren Schritt nach vorne.

Je näher er Mimi hier so kam, desto klarer wurde ihm, dass es ihn auf Dauer umbringen würde, so zu tun, als würde er auch nur Mimis Freundschaft wollen. Und trotz allem wäre es noch viel schlimmer, Mimi gar nicht mehr hier bei sich zu haben. Ihn überhaupt nicht mehr so sehen zu können…

Was war das nur für eine verdammt beschissene Situation, in die er sich da mehr oder weniger selbst hinein manövriert hatte?

Unwillkürlich – Dominik stand jetzt so nah neben dem Sofa, dass er nur seine Hand ausstrecken musste, um Mimi, der sich offensichtlich noch immer nicht das kleinste bisschen der Aufmerksamkeit bewusst war, die ihm von Minis Seite gerade zu teil wurde, berühren zu können – bewegte Mini den rechten Arm in Richtung des Schlafenden.

Dass er dabei ganz vergessen hatte, dass er eine Tasse mit verdammt heißem Tee in der Hand hielt, wurde ihm erst bewusst, als die heiße Flüssigkeit über den Porzellanrand schwappte, dann die Tasse entlang rann, und schließlich Dominiks Finger verbrühte, bevor der Pfefferminztee auf den Boden tropfte.

„Autsch…verdammt noch mal…“, fluchte Dominik so leise es ihm in diesem Augenblick irgendwie möglich war, wechselte die Tasse schnell in die andere Hand um die malträtierten, noch immer dumpf pochenden Finger vor sein Gesicht zu halten und kritisch zu begutachten.

Anscheinend war das Ganze allerdings nicht so schlimm wie im ersten Augenblick befürchtet – nach dem ersten Moment war der Schmerz jetzt nämlich beinahe schon wieder abgeklungen.

Und dennoch hatte die Verbrennung ihn davon abgehalten, etwas Unüberlegtes und wahrscheinlich nicht gerade Vernünftiges zu tun.

Wie Mimi wohl reagiert hätte, wenn er aufgewacht wäre, weil Mini ihn angrabschte, wollte Dominik sich lieber gar nicht ausmalen…

Kopf schüttelnd warf Mini noch einen Blick auf Mimi, betrachtete ihn ein paar Sekunden lang ganz einfach. Der Spielmacher war glücklicherweise bei Dominiks Missgeschick nicht aufgewacht, hatte sich noch nicht einmal großartig bewegt, seit Dominik das Wohnzimmer betreten hatte. Fast schon verzweifelt versuchte Mini, einen Makel an dem anderen zu finden. Irgendetwas, das den Lemgoer in seinen Augen nicht mehr so verdammt perfekt – so verdammt anziehend und wunderschön machte.

Er entdeckte nichts. Gar nichts.

Etwas nachdrücklicher, als es wohl nötig gewesen wäre, stellte Mini die Teetasse schließlich auf den Tisch, der vor dem Sofa stand. Als das Porzellan so heftig auf dem Glas der Tischplatte aufkam, ergab sich ein durchringendes Klirren – das Mini, der selbst nicht damit gerechnet hatte, einen erschrockenen Schritt nach hinten machen ließ. Außerdem begannen daraufhin auch Mimis Augen sich anfangs unter noch immer geschlossenen Lidern, unruhig zu bewegen.

Ein paar Sekunden später schlug Mimi seine Augen schließlich unter heftigem Blinzeln auf – und als er Mini erkannte, der noch immer etwas erschrocken aussehend vor ihm stand, lächelte er dem Kieler sanft zu, bevor er herzhaft gähnte.

Mini verfolgte diese Geste fasziniert. Bei Mimi sah sogar so etwas Normales und Alltägliches wie Aufwachen und Gähnen irgendwie unglaublich aus…

„Hey du…“, murmelte Mimi schließlich verschlafen und mit ein paar sichtbaren Artikulationsschwierigkeiten – ob seine Stimme nun wegen seinem kleinen Nickerchen oder aufgrund seiner Halsschmerzen so heiser klang, wusste Mini nicht. Dennoch jagte ihm diese Stimmlage einen kleinen, angenehmen Schauer über den Rücken.

Der Kieler hoffte inständig, dass Mimi das Zittern, das seinen Körper bei dem Gedanken, in welcher Situation er genau diese Tonlage von Mimi gerne hören würde, durchlief, nicht bemerkte.

„Ich…hab dir einen Tee gemacht…“, erwiderte Dominik und deutete auf die noch immer dampfende Teetasse auf dem Couchtisch, versuchte außerdem, dabei Mimis Lächeln so locker wie möglich zu erwidern, ohne, dass es allzu gezwungen aussah. Das fiel ihm sogar ein ganzes Stück leichter, als er gedacht hatte…

Und Mimi schien auch nichts davon mitzubekommen.

„Danke, Mini“, antwortete der Spielmacher jetzt nämlich stattdessen, seine Stimme noch immer ziemlich rau. Mimi setzte sich etwas auf und griff danach nach der Teetasse, um gleich einen vorsichtigen Schluck zu nehmen. Mit beiden Händen hielt Mimi die warme Tasse umfasst, als würde er daran Halt suchen, fiel Mini auf…

„Von meiner Mama hab’ ich früher auch immer Pfefferminztee mit ganz viel Honig gekocht bekommen, wenn ich krank war“, erzählte Mimi dann leise und lächelte bei der Erinnerung an diese Zeit leicht, „Aber sag mal – ist das wirklich deine Tasse oder kannst du dir keine eigenen leisten und hast die einem kleinen Mädchen geklaut?“, grinste Mimi dann und spielte anscheinend auf das etwas kindliche Hasenmotiv an, das die Porzellantasse zierte.

Gespielt empört stützte Dominik die Hände in die Seiten.

„Tz…das ist also der Lohn für meine aufopferungsvolle Pflege. Ich werde von dir verspottet. Außerdem ist die Tasse ein Geschenk von meiner kleinen Cousine. Und die findet das Motiv ganz toll – also tu ich das auch! Ganz davon zu schweigen, dass du froh sein solltest, dass du überhaupt was zu trinken und zu essen von mir kriegst, währen du hier faul auf der Couch herum gammelst…“, verteidigte Mini sich auch sofort und verschränkte jetzt gespielt beleidigt die Arme vor der Brust.

Lange ernst bleiben konnte er allerdings nicht, als er erkannte, dass Mimi offenbar tatsächlich einen Moment lang im Zweifel war, ob Mini seine Worte ernst meinte, oder nicht. Ein breites, triumphierendes Grinsen schob sich auf Dominiks Gesicht.

Endlich hatte nämlich er es mal geschafft, Mimi ein bisschen aus der Fassung zu bringen. Normalerweise war die Rollenverteilung bisher ja – zumindest meistens – anders herum gewesen.

„Für einen Moment hab ich dir das jetzt doch tatsächlich abgekauft…“, meinte Mimi daraufhin, lächelte jetzt allerdings schon wieder und nahm noch einen tiefen Schluck aus seiner Teetasse. So unauffällig wie möglich beobachtete Dominik jede kleinste Bewegung des Spielmachers dabei genau.

Plötzlich rümpfte der allerdings die Nase, als er die Tasse wieder absetzte. Fragend musterte Dominik ihn.

„Sag mal…täusche ich mich, oder riecht es hier plötzlich irgendwie…angebrannt?“, fragte Mimi etwas unsicher, schnupperte noch einmal probehalber – und brachte Dominik mit diesen Worten mit einem Schlag ziemlich unsanft wieder in die Realität zurück.

„Heilige Scheiße…meine Pizza…die Suppe…“, entfuhr es Mini erschrocken, der sich daraufhin sogleich hektisch umwandte und ohne Mimi noch eines Blickes zu würdigen in die Küche stürmte. Je näher er dieser kam, desto deutlicher wurde jetzt auch für Dominiks Nase der Geruch von Verbranntem.

Schnell zog er, in der Küche angekommen, den Suppentopf von der heißen Herdplatte und schaltete diese ab – doch offensichtlich war nicht sie es, die vornehmlich die Ausgangsquelle des beunruhigenden Geruchs war. Auch den Backofen schaltete Mini gleich darauf erstmal ab.

Sofort nachdem Dominik die beiden Topflappen gefunden hatte, öffnete er den Elektroherd schließlich und holte daraufhin die Pizza aus der Backröhre. Kritisch beäugte Mini die Pizza eine Zeit lang. Doch zu seiner großen Erleichterung konnte er feststellen, dass lediglich ein paar der Schinkenstücke angebrannt waren – und auch der Käse an manchen Stellen etwas dunkler war, als es ihm eigentlich lieb gewesen wäre. Aber Mini hatte jetzt wirklich beim besten Willen keinen Nerv mehr dafür, noch etwas anderes für sich zuzubereiten. Und der Zustand der Pizza war jetzt auch nicht wirklich unter die Kategorie „ungenießbar“ einzuordnen.

Seufzend holte Mini also zwei Teller aus seinem Küchenschrank – füllte das Suppenteller daraufhin mit der Hühnersuppe, auf seinem eigenen Teller landete die etwas lädierte Pizza Speziale. Schnell suchte er noch nach Besteck in der Besteckschublade, bevor er schließlich die beiden Teller balancierend und so langsam wie möglich in das Wohnzimmer zurückkehrte, wo Mimi dieses Mal allerdings gespannt auf ihn wartete, die Teetasse noch immer fest in den Händen haltend.

Nachdem Dominik die beiden Teller auf dem Couchtisch abgestellt hatte, bemerkte er Mimis beinahe schon feindselig zu nennenden Blick, der auf das Essen auf dem Glastisch gerichtet war.

„Du kannst ruhig aufhören, es so anzuschauen. Es wird dich in unmittelbarer Zukunft nämlich mit Sicherheit nicht anspringen – zumindest bei deiner Suppe bin ich mir da ziemlich sicher, mit meiner Pizza sieht’s allerdings schon wieder anders aus...“, erklärte Mini belustigt – und auch Mimis Mitleid erregender Dackelblick, der Minis Worten folgte, ließ ihn nicht weich werden, „…und das kannst du schon mal gleich vergessen. So was zieht bei mir nicht, das solltest du inzwischen wissen. Und so weit ich weiß, hast du seit heute Morgen auch nichts mehr gegessen. Also los, nimm den Löffel und dann wir dieses Teller ausgelöffelt. Du kennst doch das Sprichwort mit der Suppe und dem Einbrocken…“, blieb Mini hart und hielt Mimi unerbittlich den Löffel hin.

Seufzend griff Mimi nach dem Löffel, setzte sich richtig aufrecht hin und zog zugleich den Suppenteller näher zu sich heran, woraufhin er dann auch gleich zu essen begann. Ein paar Momente lang beobachtete Dominik das wachsam, bis er beruhigt feststellte, dass Mimi sich anscheinend doch tatsächlich damit abgefunden hatte, dass er die Hühnersuppe würde auslöffeln müssen, auch wenn er sich nicht wirklich hungrig fühlte. Oder zumindest diesen einen Teller Suppe.

Jetzt konnte auch Dominik sich endlich seinem Abendessen widmen und setze sich somit kurzerhand neben Mimi auf die Couch. Einträchtig saßen er und Mimi die nächsten paar Minuten also nebeneinander auf dem Sofa im Wohnzimmer und aßen schweigend.

Bis Mimi plötzlich noch einmal das Wort ergriff: „Aber eigentlich war das doch gar nicht ich, der sich die Suppe eingebrockt hat…also…“, begann Mimi jetzt zu argumentieren. 

Statt den anderen jedoch ausreden zu lassen, verpasste Dominik dem Lemgoer einen sanften – aber doch deutlich fühlbaren – Klaps auf den Hinterkopf, was Mimi tatsächlich und zu Dominiks großen Überraschung zum Verstummen brachte.

Und für diesen einen Moment konnte Mini nicht einmal das Gefühl von Mimis weichen Haaren zwischen seinen Fingern von dem Gedanken ablenken, wie verdammt widerspenstig erwachsene Männer doch werden konnten, wenn sie nur krank waren.

 


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