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Schatten der Vergangenheit - 22. Kapitel
mimi, pommes, handball
ayrenni

 

Alpträume und ihre Folgen…


Er wachte mit einem Mal auf. Schweißgebadet. Zitternd. Heftig atmend und mit dem Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Mimi setzte sich auf, fuhr sich gleichzeitig durch die verschwitzten, kurzen Haare. Sein Herz pochte laut, das Blut rauschte in seinen Ohren – er hatte das Gefühl, gerade eben alleine mindestens gegen den kompletten THW samt Auswechselspielern gespielt zu haben. Oder um die Wette mit Michael Phelps geschwommen zu sein. Oder vor jemandem davongelaufen zu sein, gegen den er nicht die geringste Chance gehabt hatte…

Außerdem war dieses Gefühl noch immer so unglaublich deutlich zu spüren - das unheimliche , beklemmende Gefühl, nicht mehr entkommen zu können, keinen Ausweg, keine einzige Möglichkeit zur Flucht mehr zu haben - dass Mimi noch immer in seinem Traum gefangen automatisch begann, sich in der Dunkelheit um ihn herum hektisch nach links und rechts umzusehen und nach einem Fluchtweg Ausschau zu halten. Bis seine Augen sich an die um ihn herum herrschende Finsternis gewöhnt hatten und Mimi endlich Dominiks Wohnung erkannte, dauerte es ein paar Sekunden. Mimi selbst kam es viel länger vor.

Das Wohnzimmer in Minis Wohnung in Kiel war nur sehr schwach beleuchtet, das Licht reichte gerade so dafür, dass Mimi die inzwischen vertrauten Umrisse des Fernsehers und der Regale im Raum erkennen konnte. Das Licht der Straßenlaternen, das durch das eine, große Fenster im Raum in das Zimmer fiel, war äußerst schwach. Dennoch reichte es Mimi, um ihm langsam klar werden zu lassen, dass er in Sicherheit war.

Ganz langsam fühlte Mimi, dass er sich beruhigte. Sein Atem normalisierte sich etwas, er versuchte, bewusst ruhig durchzuatmen und seinen Herzschlag so wieder etwas zu verlangsamen. Er war in Kiel. Er war bei Dominik. Nirgendwo sonst, niemand sonst war hier. Diese Erkenntnis ließ ihn noch einmal ruhiger werden.

Dennoch bemerkte Mimi jetzt, dass er zitterte. Ihm war verdammt kalt, sein T-Shirt klebte inzwischen unangenehm an seinem Rücken. Es war komplett durchgeschwitzt und jetzt fröstelte er in dem nassen Shirt, so dass eine Gänsehaut begonnen hatte, seinen gesamten Körper zu überziehen.

Außerdem fühlte er sich noch immer nicht wirklich gut. Es kam Mimi so vor, als hätten die paar Stunden Schlaf die er gehabt hatten – ein Blick auf die Leuchtziffern auf dem DVD-Player verrieten ihm, dass er gerade mal vor knappen zwei Stunden eingeschlafen war – ihn nur noch mürber und fertiger gemacht, als er das aufgrund seiner Erkältung ohnehin schon war. Es kam ihm tatsächlich beinahe so vor, als hätte er die letzten paar Stunden wirklich damit verbracht, vor jemandem davonzulaufen. 

Was genau er geträumt hatte, daran konnte Mimi sich nicht mehr erinnern – oder vielleicht wollte sein Unterbewusstsein ganz bewusst verhindern, dass er sich dorthin zurück begab, wo er gerade eben in seinen Träumen noch gewesen war.

Es war ihm egal. Mimi war eigentlich nur froh, dass es dieses Mal so war – er hatte nicht immer dieses Glück, seine Alpträume sofort nach dem Aufwachen vergessen zu haben. Dieses Mal schon. Er wusste so gut wie gar nichts mehr.

Nur, dass er Angst gehabt hatte, dessen war er sich sicher. Eine verdammte Scheißangst, beinahe schon eher richtiggehende Panik. Immer noch war ein Nachhall dieses Gefühls da, ein nervöses Nervenflattern, eine Art Anspannung, die ihn auch jetzt, obwohl er sich inzwischen darüber im Klaren war, wo er sich befand, noch einmal genau in die Stille hinein horchen ließ, um sicherzugehen, dass tatsächlich niemand außer ihm in diesem Raum war. Alles blieb still und Mimi schalt sich in Gedanken selbst dafür, wie verdammt kindisch und irrational er sich hier aufführte.

Er war doch ein erwachsener Mann und sollte nicht mehr an Ungeheuer unter dem Bett glauben. Und er wusste eigentlich ja, dass auch kein Monster in Menschengestalt auf ihn lauerte. Nicht hier. Nicht mehr.

Wärme suchend ließ Mimi seinen Kopf schließlich wieder auf das weiche Kissen sinken und er kuschelte sich wieder fester in die dicke Bettdecke ein, die er im Laufe seines unruhigen Traums wohl abgeschüttelt haben musste. Er seufzte leise, doch in der momentan in der gesamten Wohnung herrschenden, allumfassenden Stille klang schon dieser kleine Laut unerhört laut. Mimi kam sich beinahe vor, als hätte er etwas Verbotenes getan, indem er die Stille durchbrochen hatte.

Mimi wusste, dass er so schnell nicht mehr würde einschlafen können. Er hatte Erfahrung mit dieser Art von Träumen. Und er wusste, dass es lange dauern würde, bis er wieder so weit zur Ruhe kommen würde, dass er die Augen wieder schließen konnte. Vielleicht war es auch besser, wenn er nicht mehr einschlief…

Diese Art von Schlaf war nämlich auch nicht gerade als erholsam zu bezeichnen. Eher im Gegenteil.

Der Lemgoer zog die Decke jetzt noch höher, bis zu seiner Nasenspitze und vergrub sein Gesicht in dem weichen Federbett. Er atmete tief ein. Und nahm einen Geruch wahr, der ihm inzwischen vertraut war. Im ersten Moment konnte der Spielmacher den Geruch zwar nicht sofort einordnen – doch das Gefühl, das ihn durchströmte, als er bewusst diesen Duft wahrnahm, war einfach nur unglaublich beruhigend.

Er fühlte sich plötzlich beschützt. Sicher. Und der Alptraum rückte mit einem Mal in ungeahnt weite Ferne, jedes Gefühl von Unsicherheit oder sogar Angst wurde beinahe schon kompromisslos zurück gedrängt. Mimi fühlte sich einfach nur geliebt.

Und erst da, bei diesem urplötzlichen, eigentlich ja ziemlich absurden Gedanken - wie sollte so etwas Banales wie ein vertrauter Geruch auch die Möglichkeit haben, das Gefühl zu vermitteln, geliebt zu werden -  wurde Mimi plötzlich klar, wessen Geruch es war, der ihn hier so verdammt ruhig werden ließ. Nämlich Minis. Dominik musste ihm wohl versehentlich seine eigene Bettdecke überlassen haben, schlussfolgerte Mimi sogleich.  

Der Lemgoer konnte nicht sagen, was diese Erkenntnis bei ihm genau auslöste, dass Minis Geruch so eine verdammt große Wirkung auf ihn hatte. Ob sie überhaupt etwas auslöste oder etwas an seiner momentanen Gefühlslage veränderte – auch, wenn sie es vielleicht tun sollte, zumindest nach dem, was Mimi vor kurzem über den Kieler Linksaußen erfahren hatte. Doch dieses Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, das ihn gerade eben überkommen hatte, blieb ganz einfach bestehen und hielt sich auch jetzt noch hartnäckig. Irgendwie fand Mimi das ganz angenehm.

Unaufhaltsam wanderten Mimis Gedanken daraufhin also wieder zu Dominik. Und ohne es selbst bewusst wahrzunehmen oder sich darüber im Klaren zu sein, was er tat, schnupperte Mimi noch einmal an der Decke und zog sie noch etwas höher, bis nur noch seine Augen unter der Decke hervorlugten. Es war wirklich angenehm, dieses Gefühl von Ruhe, das von ihm Besitz ergriffen hatte. Auch, wenn der dunkle Schatten, den der Traum auf ihn geworfen hatte, noch immer nicht komplett verschwunden war.

Mimi starrte in die blauschwarze Dunkelheit vor sich. Er und Dominik hatten gar nicht lange, nachdem sie Suppe und Pizza aufgegessen hatten, beschlossen, sich für die Nacht hinzulegen. Kurze Zeit hatten sie zuvor zwar noch den Fernseher eingeschaltet – doch Mimi hatte sich aufgrund seiner Erkältung und der daraus resultierenden Kopfschmerzen ohnehin auf keine Sendung richtig konzentrieren können und auch Dominik hatte nur unentschlossen zwischen verschiedenen Programmen hin und her gezappt, ohne sich anscheinend so recht für einen der gezeigten Fernsehbeiträge begeistern zu können.

Irgendwie hatte Mimi das Gefühl gehabt, dass Mini eigentlich nur dankbar dafür gewesen war, aufgrund des laufenden Fernsehgeräts nicht mit Mimi reden zu müssen. Und auch Mimi hatten um ehrlich zu sein für den Abend genug von klärenden Gesprächen und unerwarteten Neuigkeiten gehabt. Dennoch hatte Mini schon kurze Zeit später – es war gerade mal kurz nach neun gewesen – den Fernseher ausgeschaltet und dann verkündet, dass er ins Bett gehen wolle. 

Die Frage, wo Mimi die Nacht verbringen würde, war allerdings unausgesprochen geblieben. Offensichtlich hatte Dominik es noch nicht einmal in Erwägung gezogen, dass Mimi noch einmal in einem Bett mit ihm schlafen würde. Und Mimi musste zugeben, dass ihm das nach seiner Reaktion auf Dominiks Geständnis, dass er schwul und in ihn verliebt war, nicht gerade zu verdenken war.

Einerseits war Mimi ja auch ganz froh gewesen, dass der andere ihn gar nicht erst gefragt hatte, und es ihm somit erspart geblieben war, in Verlegenheit zu geraten und ihm irgendwelche Ausreden – wie etwa die Gefahr, dass Mini sich bei ihm anstecken könnte – servieren zu müssen.

Andererseits jedoch…hatte er für ein paar Sekunden sogar so etwas wie einen heftigen Stich von Enttäuschung gespürt, als Dominik lediglich nach einem kurzen Gute Nacht Gruß und der Aufforderung, ihn sofort zu wecken, falls Mimis Gesundheitszustand sich im Laufe der Nacht noch mal verschlechtern sollte, aufgestanden, darauf ins Badezimmer und gleich danach dann auch in sein eigenes Schlafzimmer verschwunden war, um sich für die Nacht hinzulegen.

Doch Mimi war nicht mehr wirklich in der Verfassung dazu gewesen, noch lange darüber nachzugrübeln, was das alles eigentlich zu bedeuten hatte und wie er seine eigenen Gefühle in diesem Moment deuten sollte, denn schon nach allzu kurzer Zeit waren ihm die Augen unaufhaltsam zugefallen und er war eingeschlafen.

Diese verdammte Erkältung und das damit einhergehende Fieber hatten ihm eben doch ziemlich zugesetzt, genau so wie der gesamte Tag ebenfalls ganz enorm an Mimis Kräften gezehrt hatte.

Mimis Gedanken wanderten jetzt allerdings zurück zu Dominik.

Mini, der ihn gestern Abend verschlafen und mit halb geschlossenen Augen angesehen und nach ihm gegriffen hatte, um ihn zu sich aufs Bett zu ziehen. Der Anblick des Linksaußen, als Mimi in den Armen des anderen aufgewacht war. Wie zart sich die Haut des anderen unter Mimis Finger angefühlt hatte. Mini, der vor ihm gestanden und nicht gewagt hatte, Mimi in die Augen zu sehen, als Mimi ihm entgegengeschleudert hatte, wie eklig und abstoßend er ihn und seine Neigung doch fände. Mini, der ihm seine Reaktion irgendwie doch verziehen hatte und ihm danach vorsichtig die Treppe nach oben geholfen hatte.

Und Mini, der ihm gestand, dass er in ihn verliebt war. Schon lange.

Ein warmes Kribbeln durchfuhr Mimi bei dieser Erinnerung. Erschrocken über sich selbst riss Mimi die Augen auf. Das…er war an so etwas nicht gewohnt. Dass eine Erinnerung allein ausreichte, um ihn so zu verwirren und ihn gleichzeitig so unglaublich…beinahe hätte Mimi seinen Zustand in Gedanken „glücklich“ genannt.

Aber nein…das war absurd. 

Der Spielmacher packte die Bettdecke und zog sie sich über seinen Kopf, so dass ihn mit einem Mal völlige Dunkelheit umgab. Dieses Gefühl sollte verschwinden, beschloss Mimi. Am besten dorthin, wo es hergekommen war. Und dort sollte es auch bleiben.

Doch der Geruch von Mini, der ihn hier, in seiner kleinen Höhle, die er sich gebaut hatte, noch sehr viel stärker umfing als zuvor, verhinderte dies natürlich mehr als erfolgreich.

„Fuck…verdammte Scheiße…“, flüsterte Mimi heiser, schlug die Decke wieder zurück und starrte an die leicht erhellte, einfach weiß gestrichene Wohnzimmerdecke, die in der momentanen Dunkelheit grau erschien.

Denn je länger Mimi hier unter dieser Decke blieb, je länger sich die Sekunden hinzogen, in denen er den Duft von Dominik so verdammt deutlich wahrnehmen konnte, desto größer wurde diese verdammte Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einem zweiten menschlichen Wesen. Dieses Verlangen, sich wieder so zu fühlen, wie gestern Abend, als er neben Mini gelegen hatte und sich so unglaublich beschützt und geborgen vorgekommen war. Und unerreichbar für jeden anderen. Für alle, außer Mini…

Es war keine bewusste Entscheidung für Mimi, jetzt aufzustehen. Es war schon eher ein Zwang – so in etwa stellte der Lemgoer es sich jedenfalls vor, dass es einem Drogensüchtigen gehen musste, der gar keine andere Wahl hatte, als sich den nächsten Schuss zu setzen. Auch Mimi hatte das Gefühl, gar nicht erst vor die Wahl gestellt worden zu sein. Er musste einfach zu Dominik. Jetzt. Ohne sich groß Gedanken darüber machen zu wollen, was diese Sehnsucht nach dem Kieler, auch nach körperlichem Kontakt mit dem anderen, bedeutete, stand Mimi auf und machte sich mit der vermaledeiten Bettdecke unter dem Arm auf den Weg in Dominiks Schlafzimmer.

Kurz vor der Tür zögerte Mimi noch einmal, starrte gebannt auf die geschlossene Holztür und wagte nicht so recht, den nächsten Schritt zu tun und den Raum zu betreten. Wollte er das wirklich? Wollte er Dominik tatsächlich bitten, bei ihm schlafen zu dürfen? Was, wenn Mini nein sagen sollte – oder wenn der Linksaußen seine Bitte falsch verstand?

Mimi kaute unsicher und ziemlich nervös auf seiner Unterlippe herum. So langsam begann er zu bemerken, dass der Flurboden unangenehm kalt war – die Gänsehaut, die verschwunden war, als Mimi sich auf dem Sofa noch einmal eingekuschelt hatte, erschien wieder. Der Lemgoer schüttelte über sich selbst den Kopf. Das war doch nicht auszuhalten…

Er war doch sonst auch nicht so verdammt unentschlossen und feige. Mehr als nein sagen konnte Mini schließlich auch nicht, versuchte Mimi, sich und seine doch gehörig flatternden Nerven also zu beruhigen. Die kleine Stimme, die ihm einflüsterte, dass Mini durchaus noch auf ganz andere Art auf seine Frage reagieren könnte, ignorierte er. Sogar mit halbem Erfolg.

Denn schließlich griff Mimi nach der Türklinke. Der rationale Teil seines Gehirns hatte gegen die aufsteigende, leichte Panik gewonnen. Denn Mimi wusste, dass er auf dem Sofa im Wohnzimmer keinen Schlaf mehr finden würde. Und er musste wieder gesund werden – dazu musste er jetzt schlafen. Das Kribbeln in seiner Magengrube nahm noch einmal zu. Und so sehr Mim sich das auch wünschte – lange konnte er sich selbst nicht mehr vormachen, dass er dieses Gefühl unangenehm fand…

******

Mini wachte auf, als die Tür zu seinem Schlafzimmer leise – aber eben doch nicht leise genug – ins Schloss gezogen wurde. Der Linksaußen gähnte, bevor er die Augen langsam aufschlug um nachzusehen, was los war. Im fahlen Licht, das durch das Fenster seines Schlafzimmers fiel, erkannte Mini eine vertraute Gestalt, die jetzt neben seinem Bett stand und offenbar unentschlossen war, was als Nächstes zu tun sei.

Nach kurzem Überlegen wurde Dominik klar, dass Mimi offenbar seine Bettdecke bei sich trug. Das zumindest war die wahrscheinlichste Erklärung für den Umriss, den Mini in den Händen des anderen erkennen konnte. Mini warf einen Blick auf den Wecker neben seinem Bett und runzelte die Stirn, als er die Leuchtziffern erkannt hatte. Denn auch diese Erkenntnis stellte noch lange keine befriedigende Erklärung dafür dar, was Mimi kurz nach elf Uhr nachts mit seiner Bettdecke in den Händen in Dominiks Schlafzimmer machte. Und vor allem, warum der Lemgoer keine Ton von sich gab und im Gegenteil ganz einfach gar nichts sagte.

Mit einem Ruck setzte Mini sich schließlich nach ein paar Sekunden, in denen Mimi offenbar immer noch nicht den Mut oder was auch immer sonst gefunden hatte, etwas zu sagen, auf seinem Bett auf. Anscheinend hatte Mimi nicht damit gerechnet, dass Dominik wach war – und machte bei dieser plötzlichen Bewegung von Mini einen aufgeregten Hüpfer nach hinten. Außerdem gab er einen kleinen, erschrockenen Laut von sich, den Mini lustig gefunden hätte, wenn die gesamte Situation nicht so verdammt seltsam gewesen wäre.

Mini knipste daraufhin das Licht an und musste im ersten Moment ebenso wie Mimi heftig blinzeln, um sich an die plötzliche Helligkeit zu gewöhnen.

„Was ist los, Mimi? Geht’s dir nicht gut? Soll ich den Doc anrufen…?“, murmelte Mini schließlich noch immer etwas verschlafen, nachdem er einen musternden Blick über Mimis Erscheinung hatte gleiten lassen. Der Spielmacher sah um ehrlich zu sein alles andere als gut oder auch nur ein kleines bisschen erholt aus. Eher wie gegessen und wieder ausgespuckt.

Stumm schüttelte Mimi den Kopf. Und so langsam begann Mini, sich wirklich Sorgen um den Lemgoer zu machen. Der stand nämlich noch immer relativ reglos im Raum und blickte Mini nur unverwandt an.

Dieser Blick begann, Mini schließlich mit der Zeit sogar richtig unangenehm zu werden…bis der andere die Augen abwandte. Und mit einem Mal vermisste Mini es schon wieder, die ungeteilte Aufmerksamkeit des anderen zu besitzen…

„Mini…kann…kann ich hier schlafen? Bei…dir?“, fragte Mimi schließlich leise, stotterte dabei heftig.

Anscheinend fiel es ihm verdammt schwer, diese Frage überhaupt auszusprechen. Mini starrte den anderen mit offenem Mund an. Er war sich sicher, dass er sich verhört haben musste. Das…Mimi konnte ihn doch gerade nicht gefragt haben, was er glaubte, dass er ihn gefragt hatte…Oder?

„Ich…bitte, Mini?“, meinte Mimi jetzt und riss Mini damit aus seinen Überlegungen. Also hatte er sich wohl doch nicht verhört, schlussfolgerte der Linksaußen…

Mini blickte auf und sah in Mimis verschämtes und irgendwie gleichzeitig doch hoffnungsvolles Gesicht, blickte ihm in die blaugrauen Augen die seinem fragenden Blick jedoch nicht lange standhielten und sich stattdessen wieder gen Boden richteten. Dominik verstand jetzt, in diesem Augenblick, um ehrlich zu sein überhaupt nichts mehr. Dennoch nickte er schließlich. Automatisch.

Wer wäre er denn, den Mann seiner Träume seines Bettes zu verweisen? Außerdem hatte sein Verstand schon seit Mimi ihm seine Frage gestellt hatte nicht mehr auch nur den kleinsten Einfluss auf seine Entscheidungen oder auf das, was er tat. Allein seine Gefühle sagten ihm, was er tun sollte. Und im Moment sagten sie ihm, dass er Mimi nicht zurückweisen durfte.

Ohne groß darüber nachzudenken rutschte Mini also ein Stück zur Seite, so dass Mimi zu ihm auf das breite Bett krabbeln und sich neben ihn legen konnte. Der Spielmacher rutschte sofort dicht an Mini heran. Dominik schluckte, als er das bemerkte. Doch er sagte nichts, sondern ließ sich stattdessen zurück in die Kissen sinken und griff lediglich hinter sich, um den Lichtschalter zu betätigen und den Raum wieder in Dunkelheit zu tauchen.

Er hörte, wie Mimi daraufhin tief durchatmete. Ihre Körper waren nur so weit voneinander entfernt, dass Mini die Körperwärme des anderen beinahe so spürte, als würden sie einander berühren. Mini schloss seine Augen. Er glaubte nicht daran, dass er so schnell wieder einschlafen würde…

Einer plötzlichen Eingebung folgend richtete Mini sich keine ganze Minute später jedoch noch einmal halb auf.

„Sag mal – hast du wieder schlecht geträumt?“, fragte Mini dann halblaut. Er wusste, dass Mimi noch nicht schlief. Dennoch erhielt er keine Antwort. Leise seufzend legte Dominik sich wieder richtig hin. Er hätte eigentlich wissen müssen, dass Mimi nicht mit ihm darüber reden würde.

Eine plötzliche, unerwartete Berührung ließ ihn jedoch zusammenzucken. Gerade so konnte Mini gegen den ersten Impuls ankämpfen, der Hand auszuweichen, die sich jetzt langsam, ganz vorsichtig und zögerlich einen Weg über seinen Bauch bahnte. Die Finger fühlten sich im ersten Augenblick auch durch den Stoff seines T-Shirts ungewohnt kalt an, doch Mini biss sich auf die Lippen, um ja keinen Laut von sich zu geben und den anderen somit zu erschrecken. Schließlich kam die Hand an Dominiks Seite zum Liegen. Ganz ruhig, ohne sich noch einmal zu bewegen lag sie da.

Und dennoch verstand Mini, irgendwie. Mimi hatte ihm gerade eben auf eine verquere, nonverbale Art und Weise die Antwort auf Minis Frage mitgeteilt. Er hatte schlecht geträumt. Und der Lemgoer war zu Mini gekommen, als er Trost und Schutz gebraucht hatte.

Ein warmes Gefühl durchströmte Mini bei diesem Gedanken. Mimi vertraute ihm also immer noch. Und kurz, bevor ihm die Augen wieder zufielen, wurde der Kieler sich auch noch der Tatsache bewusst, dass sich zu der Freude über diese Erkenntnis auch ein ganz kleines bisschen Hoffnung gemogelt hatte. Vielleicht gab es ja doch eine Chance für ihn und Mimi, war sein letzter Gedanke, bevor er endgültig einschlief.

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