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Schatten der Vergangenheit - 23. Kapitel
mimi, pommes, handball
ayrenni

 

(Schwindel)Gefühle


Am nächsten Morgen wurde Dominik ziemlich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Nämlich von lautem, anscheinend nicht enden wollendem Husten, dessen Ursprung offenbar keinen Meter von ihm entfernt in seinem Schlafzimmer lag. Mini seufzte leise auf und vergrub seinen Kopf noch einmal in den weichen Kissen. Er konnte sich durchaus angenehmere Arten vorstellen um geweckt zu werden, schoss es ihm durch den Kopf, noch bevor er die Augen überhaupt aufgeschlagen hatte.

Als er das jedoch endlich tat, verwarf er diesen eben formulierten Gedanken sofort wieder, als er Mimi erkannte, der deutlich nach Luft ringend neben Mini aufrecht im Bett saß und offenbar versuchte, seinen Hustenanfall irgendwie wieder unter Kontrolle zu bringen, um wieder richtig atmen zu können.

Mini korrigierte sich. Es gab nur ein paar, wenige Arten, die angenehmer waren, als so - nämlich von seinem Schwarm, der neben ihm im Bett lag - aufgeweckt zu werden. Und eine diese Möglichkeiten hatte mit Mimi und dessen Zunge an einer ganz bestimmten Stelle an Dominiks Körper zu tun…

Schnell versuchte Dominik, diesen Gedanken wieder zu vergessen und vor allem die Bilder, die damit einhergingen und die sich sofort in seinen Kopf eingeschlichen hatten, so schnell als möglich wieder aus seinen Gedanken zu verbannen – er konnte förmlich fühlen, wie er rot wurde, als er realisierte, woran genau er hier gerade eigentlich dachte.

Aber er war nun mal auch nur ein Mann...

Mini schluckte und versuchte, sich wieder zu beruhigen und auch seine Gesichtsfarbe wieder auf ein normales Niveau zu bringen, indem er ein paar Mal tief durchatmete. Außerdem würde Mimi mit Sicherheit auch alles andere als begeistert davon sein, wenn er wüsste, woran Dominik hier gerade dachte.  Also wandte der Kieler sich erstmal den nahe liegenden Problemen zu und drehte sich zu Mimi um, der inzwischen zwar nicht mehr hustete, aber doch noch immer deutlich mitgenommen und ziemlich atemlos aussah...

Die geröteten Wangen und der leicht desorientierte Blick taten jedoch nur ihr Übriges, um Mimi in diesem Moment für Dominik zu einem wirklich unglaublich anziehenden Anblick zu machen. Der Spielmacher sah einfach zu niedlich aus. Obwohl er ganz klar Probleme damit hatte, wieder richtig zu Atem zu kommen. Und das Fieber war offenbar auch noch nicht wirklich gesunken…

Ohne zu bemerken, was er eigentlich tat, begann Mini instinktiv, dem anderen sanft über den noch immer leicht bebenden Rücken zu streicheln. Durch den dünnen Stoff des T-Shirts fühlte der Linksaußen direkt die Körperwärme des anderen. Zu Dominiks großem Erstaunen zuckte Mimi von dieser Berührung jedoch weder zurück, noch versuchte er, Minis Hand abzuschütteln – stattdessen wandte der Spielmacher sich dem Kieler lediglich zu und versuchte sich sogar an einem halbherzigen Lächeln, als er den wohl noch etwas verschlafen aussehenden Dominik neben sich sitzen sah.

„Sorry…dass ich dich geweckt habe…“, brachte Mimi mit einiger Anstrengung gerade noch so heraus, bevor sich auch schon der nächste Hustenanfall ankündigte. Doch Mini schüttelte nur abwehrend den Kopf.

„Ich hätte sowieso bald aufstehen müssen…“, meinte er und stellte mit einem Blick auf den Wecker auf dem Nachtkästchen fest, dass er tatsächlich die Wahrheit sagte. Es war zwar etwas früher, als er für gewöhnlich aufstand, wenn nur ganz gewöhnliches Training anstand. Aber dennoch fühlte Mini sich nach der letzten Nacht sehr erholt – und er hatte den Eindruck, dass das zu einem ziemlich großen Teil der Tatsache zu verdanken war, dass Mimi mitten in der Nacht neben seinem Bett gestanden hatte und ihn gefragt hatte, ob er bei ihm schlafen könnte.

Die Anwesenheit des anderen in seinem Bett hatte einfach eine unglaublich beruhigende Wirkung auf ihn gehabt. Mini hatte so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr – und das, obwohl der gestrige Tag einer der aufwühlendsten seines bisherigen Lebens gewesen war. Da konnte Mini es dem Lemgoer durchaus verzeihen, dass er ihn heute Morgen etwas zu früh geweckt hatte.

Als Mimis Husten sich jetzt noch einmal verstärkte, wurde Dominik davon aus seinen Gedanken gerissen. Sofort nahm er seine Streicheleinheiten wieder auf – gerade eben hatte er nämlich schon den Eindruck gehabt, dass er Mimi damit etwas geholfen hatte. Sorgenvoll runzelte Mini die Stirn, als Mimi sich hustend und angestrengt nach Luft ringend nach vorne beugte und der Hustenanfall auch nach mehreren Minuten noch immer nicht abflauen wollte.

Und da fiel Dominik etwas wieder ein, was er aufgrund der Verwirrung und Unsicherheit, die gestern noch zwischen ihm und Mimi geherrscht hatte, nachdem der Mannschaftsarzt sich wieder von ihnen verabschiedet hatte, komplett vergessen hatte. Detlef hatte ihm doch ein Rezept für Mimi gegeben, das er eigentlich gestern Abend noch hätte einlösen sollen…

Außerdem hätte er Hustensaft besorgen sollen – und in diesem Augenblick, als Mimi deutlich gebeutelt und mit ersten Schweißperlen der Anstrengung auf der Stirn in die Kissen zurücksank, wurde Dominik auch klar, warum der Doc ihm das so wärmstens empfohlen hatte.

„Scheiße…“, fluchte Dominik leise. Schnell machte er sich gleich danach daran, sich aus der Bettdecke zu schälen – und erntete dafür einen verständnislosen, fragenden Blick von Mimi.

„Ich hab gestern völlig vergessen, dass ich noch in die Apotheke hätte gehen sollen…Detlef hat dir doch extra was verschrieben – und eigentlich hätte ich das gestern noch abholen sollen. Und hab’s voll verpeilt…und anscheinend brauchst du auch wirklich dringend Hustensaft…“, begann Mini, während er sich schnell ein paar Klamotten überwarf, also zu erklären.

Verstehend nickte Mimi, legte sich aber nicht, wie Mini gehofft hatte, wieder zurück aufs Bett sondern wollte mit einem Mal offenbar ebenfalls aufstehen.

„Und was wird das jetzt?“, fragte der Kieler, als Mimi die Decke zur Seite schlagen wollte.

„Ich…steh’ auch auf. Wenn du schon wegen mir bei diesem Wetter und um diese Uhrzeit nach draußen musst…“, meinte Mimi und warf einen Blick durch das Fenster auf den grauen, bewölkten Himmel draußen, „…dann kann ich wenigstens schon mal Frühstück vorbereiten und Kaffee kochen…“

Mit sanfter Gewalt drückte Dominik den anderen daraufhin jedoch zurück auf die Matratze.

„Das lässt du mal schön bleiben, ja? Ist ja nicht weit zur Apotheke und außerdem kann ich so auch gleich beim Bäcker vorbei gehen und uns frische Brötchen fürs Frühstück holen. Und du bleibst hier liegen und wartest, bis ich wieder da bin, verstanden? Du bewegst dich keinen Millimeter aus dem Bett, während ich weg bin…sonst muss ich mir während ich unterwegs bin nur noch zusätzlich Sorgen machen, dass du mir in der Küche zusammenbrichst…“, schärfte er dem Spielmacher ein und konnte sich nicht zurückhalten, sondern fuhr Mimi dabei zärtlich durch die weichen Haare, um seinen Worten etwas die Härte zu nehmen.

Mimi sah ihn einen Moment aus großen Augen an, zuckte aber weder vor Dominiks Hand zurück noch schien ihn die Berührung irgendwie zu stören. Eher im Gegenteil – Mini wusste nicht, ob er sich täuschte, aber er hatte das Gefühl, dass Mimi sich tatsächlich ein paar Sekunden lang an seine Hand anschmiegte. Dann nickte der Spielmacher schließlich jedoch etwas widerwillig. Zufrieden nickte Mini daraufhin ebenfalls.

„Gut. Dann sehen wir uns später. Und schön brav sein…“, grinste Dominik den Lemgoer an, was diesen dazu veranlasste, ihm die Zunge rauszustrecken.

Nicht gerade altersgemäß, aber irgendwie fand Mini es schon sehr befreiend, dass er und Mimi wieder so miteinander umgehen konnten. Schnell suchte er, nachdem er das Schlafzimmer verlassen hatte, seine Portemonnaie und den Wohnungsschlüssel, außerdem schlüpfte er in dieselbe Jacke, die er gestern getragen hatte, als er nach Mimi gesucht hatte. Ein Blick durch das Fenster nach draußen hatte ihm nämlich gezeigt, dass das Wetter sich seit gestern nicht wirklich verbessert hatte. Eher im Gegenteil.

Gott sei Danke lag die Apotheke wirklich nicht weit von seiner Wohnung entfernt, genau so wie der Bäcker. Von Mimis Husten begleitet, das auch durch die geschlossene Schlafzimmertür noch immer deutlich zu hören war, verließ Dominik schließlich seine Wohnung – er wollte so schnell wie möglich wieder mit den Medikamenten für Mimi zurück sein. Und vor allem so schnell wie möglich wieder bei Mimi.

******

Natürlich hatte er nicht auf Dominik gehört – sobald er die Haustür ins Schloss hatte fallen hören und sein Husten sich auch wieder so weit beruhigt hatte, dass er wieder normal atmen konnte, war Mimi trotz den eindringlichen und warnenden Worten des Linksaußen aufgestanden und hatte sich schnell ein paar frische Sachen zum Anziehen aus Minis Schrank herausgesucht. Mimi war noch nie jemand gewesen, der, wenn er wach war, lange ruhig liegen bleiben konnte. Es war wie ein innerer Drang der ihn dazu brachte, einfach ständig in Bewegung zu bleiben.

Und obwohl er selbst merkte, dass sowohl sein Körper als auch sein Kreislauf nicht gerade begeistert davon waren, dass er hier herumspazierte, hatte er sich eine knappe Minute später schon eine bequeme Trainingshose, ein frisches T-Shirt und einen warmen Kapuzenpulli von Dominik übergezogen – genau die richtige Aufmachung für einen Tag, den er aller Wahrscheinlichkeit nach nämlich wohl doch auf dem Sofa verbringen würde.

Denn wenn er in Betracht zog, wie sehr ihn allein schon der Weg von Dominiks Schlafzimmer in die Küche anstrengte, dann hatte er doch das sichere Gefühl, dass er sich heute nicht mehr sehr viel weiter als bis zum Sofa im Wohnzimmer und von dort aus vielleicht hin und wieder ins Badezimmer begeben würde, aber keinen Schritt weiter. Auch, wenn das so gar nicht seiner Art entsprechen wollte.

Schwer ließ Mimi sich auf einen der Küchenstühle fallen, nachdem er Kaffeepulver und Wasser in die Kaffeemaschine gegeben und diese angestellt hatte.

Abgesehen von dem Surren der Kaffeemaschine wurde es daraufhin still in der Wohnung. Und irgendwie kam Mimi diese Stille so langsam immer bedrückender vor. Konnte es tatsächlich sein, dass er sich inzwischen so sehr daran gewöhnt hatte, nicht mehr allein in dieser Wohnung zu sein, dass er es jetzt kaum mehr alleine hier aushielt?

Zu Hause, in seiner Wohnung in Lemgo, war Mimi ja schließlich auch ständig allein gewesen und dort hatte er sich eigentlich nie sonderlich unwohl gefühlt, auch wenn niemand anderes da gewesen war…Das Gefühl, dass die Tatsache, wer eigentlich in dieser Wohnung hätte sein sollen, etwas damit zu tun hatte, warum Mimi sich so plötzlich so einsam fühlte, konnte er sich selbst nicht so recht erklären. Es war dennoch da.

Trotzdem fühlte Mimi, dass er jetzt zunehmend unruhig wurde, je länger er hier so untätig am Küchentisch saß. Zur Ablenkung stand er mit einiger Anstrengung also noch einmal auf und suchte in den Küchenschränken nach dem Geschirr für das Frühstück. Inzwischen kannte er sich in Minis Küche schon relativ gut aus – als er vorgestern für den anderen gekocht hatte, hatte er sich zwangsweise mit der Einrichtung der Küche vertraut machen müssen.

Außerdem hatte Dominik den Raum ohnehin relativ übersichtlich und ordentlich eingerichtet – etwas, das Mimi selbst um ehrlich zu sein eher selten schaffte. Er war eben ein eiserner Verfechter des mehr oder weniger geordneten Chaos und das würde er wohl auch in Zukunft bleiben. Und er selbst kam damit auch bestens klar.

Außer natürlich, wenn er nach etwas Bestimmtem suchte…

Als der Tisch für zwei Personen gedeckt war, beschloss Mimi, den Kühlschrank ebenfalls schon mal nach den nötigen Frühstücksutensilien zu durchforsten. Das konnte immerhin nicht schaden und würde wohl hoffentlich dafür sorgen, dass Mimi noch ein paar Minuten herumbrachte, in denen er sich keine Gedanken darüber machen musste, wie er sich heute Morgen gefühlt hatte, als er neben Dominik aufgewacht war. Oder darüber, warum er es zugelassen hatte, dass Mini ihn kurz darauf so sanft angefasst hatte – und weshalb er diese Berührungen auch noch genossen hatte.

Schnell fanden Honig und Marmelade ihren Weg auf den Küchentisch, ebenso wie Butter und Aufschnitt.

Mimi stand gerade vor dem Kühlschrank und suchte nach der Milch, als für ein paar Sekunden alles vor seinen Augen verschwamm. Das plötzliche Schwindelgefühl übermannte Mimi, so dass ihm der Tetrapack Milch, den er inzwischen ausfindig gemacht und ergriffen hatte, aus der Hand rutschte.

Mimi wankte gefährlich, krallte sich Halt suchend am Rahmen des Kühlschranks fest und fühlte doch gleichzeitig, dass seine Knie zu versagen drohten.

Er zitterte mit einem Mal heftig. Der Milchsee, der sich langsam auf den dunklen Fliesen vor ihm ausbreitete, zog seinen Blick wie magisch an. Mimi versuchte dabei angestrengt, die am Rande seiner Wahrnehmung drohende Dunkelheit zurückzudrängen.

Starke Arme, die sich mit einem Mal stützend um seine Hüften schlagen und ein warmer Körper, den Mimi jetzt sehr nah hinter seinem eigenen wahrnehmen konnte, halfen ihm dabei, diesen Kampf zu gewinnen.

Mimi lockerte seinen Griff um den Rand des Kühlschranks. Er atmete angestrengt tiefer durch, als er Minis besorgte Stimme wahrnahm: „Verdammt, Mimi…was machst du nur für Sachen…komm…setzt dich erstmal auf einen der Stühle hier…ganz langsam…“ 

Die beruhigenden Worte sorgten dafür, dass Mimi sich beinahe willenlos und schwer auf Dominik gestützt zum Küchentisch führen ließ, wo er dankbar auf einen der Küchenstühle sank und den Kopf erstmal in den Händen vergrub. Mimi versuchte, bewusst ruhig durchzuatmen und das plötzlich aufgekommene Schwindelgefühl wieder unter Kontrolle zu bringen. Verdammt…

Damit hatte sein Kreislauf ihm wohl sehr klar deutlich gemacht, dass er noch lange nicht fit genug war, um herumzulaufen wie er das ansonsten gewohnt war und gerne tat.

Jetzt erst hob Mimi seinen Kopf wieder an und blickte zu Mini auf, der neben ihm stand und ihn besorgt musterte. Erst jetzt nahm Mimi bewusst wahr, dass der andere wieder da war. Der Lemgoer hatte noch nicht einmal gehört, dass Dominik die Wohnung betreten hatte, geschweige denn, wie er in die Küche gekommen war. Und trotzdem war Mimi nur unglaublich froh, dass der Linksaußen gerade noch rechtzeitig aufgetaucht war.

Er wusste nicht, wie lange er noch gegen die drohende Ohnmacht hätte ankämpfen können. So etwas hatte er ohnehin noch nicht erlebt – er war noch nie so sehr von seinem eigenen Körper im Stich gelassen worden, wie gerade eben.

„Geht’s wieder?“, fragte der Linksaußen schließlich leise und Mimi nickte zögerlich.

„Ja…so langsam…“, gab er dann zu und Mini nickte nur, „…gut, dass du gerade noch rechtzeitig gekommen bist…“, fügte Mimi schließlich noch mit ehrlicher Dankbarkeit hinzu und sah Mini in die Augen.

„Du hättest liegen bleiben sollen…“, erwiderte Mini darauf jedoch nur mit leisem Vorwurf in der Stimme, bevor er sich daran machte, die Milch aufzuwischen, die Mimi bei seinem beinahe Zusammenbruch vergossen hatte.

Beschämt senkte Mimi den Blick.

„Du hattest Recht…tut mir leid, ich wollte dir nicht noch mehr Umstände machen…“, murmelte Mimi schließlich schuldbewusst.

Dominiks Seufzen war es, das ihn schließlich wieder aufsehen ließ. Mini stand jetzt mit einem Mal wieder direkt neben Mimi, blickte ihm dabei fest in die Augen. Mimi schluckte. Dieser Blick…

„Es geht hier doch nicht um mich oder darum, dass du mir irgendwelche Umstände machst…“, flüsterte Dominik schon fast – und wie automatisch wanderte Minis Hand in Mimis Nacken. Die Hand lag angenehm warm da, fuhr einmal sanft durch Mimis kurze, feine Nackenhärchen und jagte ihm damit einen kleinen Schauer über den Rücken.

„…Es geht darum, dass du dich ständig übernimmst und deinem Körper mehr zumutest, als er im Moment aushalten kann…“, erklärte Mini daraufhin leise, auch wenn Mimi schon sehr seine Probleme damit hatte, sich noch auf das zu konzentrieren, was der Linksaußen ihm gerade sagen wollte, „…du solltest wirklich besser auf dich aufpassen…“

Dennoch verstand Mimi, was der andere sagte. Er nickte – und verscheuchte damit Dominiks Hand von ihrem Platz. Die Wärme der Berührung fehlte Mimi fast sofort. Verwirrt und sich über seine eigenen Gefühle nicht das kleinste bisschen im Klaren, beobachtete Mimi, wie Mini sich jetzt plötzlich sehr angestrengt wieder der Sauerei widmete, die Mimi auf dem Küchenboden hinterlassen hatte.

Als der Milchsee beseitigt war, ergriff Mini schließlich wieder das Wort: „So, und jetzt lass uns beide endlich in Ruhe frühstücken – außerdem hab’ ich Hustensaft und das andere Zeug für dich besorgt“, meinte der Kieler und deutete auf die Tüte mit dem typischen Apothekenlogo.  

Unwillkürlich verzog Mimi bei diesem Anblick das Gesicht. Er konnte Hustensaft und all die anderen Mittelchen einfach auf den Tod nicht ausstehen. Denn wahrscheinlich würde er auch ohne all dieses Zeugs genau so schnell wieder gesund werden wie damit...

„Du wirst die Medikamente nehmen, verstanden?“, schritt Mini da allerdings auch schon wieder ein – und Mimi hatte wirklich keine Ahnung, ob ihm seine Gedanken wirklich so deutlich ins Gesicht geschrieben standen oder ob der Kieler ihn einfach nur so gut kannte.

Doch Mini kannte tatsächlich keine Gnade – denn im nächsten Moment hatte der Linksaußen Mimi auch schon die Verschlusskappe des Husensafts in die Hand gedrückt. Natürlich bis zum Rand hin voll mit dem Hustenstiller.

Unter Dominiks drohendem Blick blieb Mimi allerdings keine andere Wahl – wohl oder übel musste er die braune Flüssigkeit jetzt schlucken.

Zufrieden nickte Mini schließlich, als Mimi ihm die Verschlusskappe zurückgab.

„So…und weil du so ein tapferer, braver Junge warst mach ich dir gleich noch einen Tee und dann frühstücken wir endlich…“, meinte Mini dann nicht mehr ganz so ernsthaft wie zuvor und wandte sich schon dem Wasserkocher zu. Mimis wusste nicht, ob er seinen wütenden Blick noch mitbekommen hatte.

Es dauerte wirklich nicht lange, bis Mimi und Mini schließlich jedoch endlich einträchtig am Frühstückstisch saßen. Mini schlürfte genüsslich seinen Kaffee, während Mimi vorsichtig an seinem heißen Pfefferminztee nippte. Und auch wenn er es eigentlich nicht zugeben wollte – der Hustensaft schien tatsächlich jetzt schon seine Wirkung zu zeigen.

Jedenfalls hatten Mimis Hustenanfälle inzwischen schon ganz schön an Kraft und Häufigkeit eingebüßt.

Und auch wenn er eigentlich keinen Hunger gehabt hatte – irgendwie schaffte Mimi es schließlich doch, sich ein halbes Brötchen ohne Aufstrich hinunter zu zwingen. Zu mehr reichte es allerdings beim besten Willen nicht – nicht einmal Minis mahnender Blick konnte daran etwas ändern. Ganz im Gegensatz zu Mimi schien Dominik mit gesundem Appetit zuzugreifen. Der andere hatte heute schließlich auch noch ein anstrengendes Training anstehen – und wie Mimi mit einem Blick auf die Küchenuhr feststellte, musste Mini sich so langsam auch beeilen, wenn er nicht zu spät ins Training kommen wollte.

Dominik schien Mimis Blick bemerkt zu haben. Schnell leerte er seine Kaffeetasse und begann dann, das Geschirr zu stapeln und in die Spüle zu stellen.

„Das Geschirr spül’ ich später nach dem Training noch ab. Ich werde heute sowieso ein bisschen später vom Training kommen, ich muss später noch einkaufen gehen…“, erklärte Mini dann und Mimi nickte relativ kraftlos.

Irgendwie würde er sich jetzt gerne einfach nur hinlegen und vielleicht noch ein bisschen schlafen…

„So, und du – ab auf die Couch für heute, würde ich sagen…ich bring dir noch schnell einen frischen Tee rüber, bevor ich fahre…“, meinte Mini noch mit einem angedeuteten Grinsen.

Mimi hatte gar nicht die Kraft, etwas darauf zu erwidern oder dem Kieler zu widersprechen. Relativ schwerfällig erhob er sich von dem Stuhl und schleppte sich selbstständig ins Wohnzimmer, wo er sich auf das Sofa fallen ließ. Er schloss die Augen.

Erst, als eine warme Decke über ihn gebreitet wurde, schlug Mimi die Augen mit einiger Kraftanstrengung wieder auf. Dominik hatte sich über ihn gebeugt, offenbar hatte er eine der beiden Bettdecken aus seinem Schlafzimmer geholt und sie Mimi übergelegt. Außerdem stand eine dampfende Tasse Tee auf dem Wohnzimmertisch. Genau so wie die Tüte mit den Medikamenten.

„Ich kann mich darauf verlassen, dass du mich sofort anrufst, wenn irgendetwas sein sollte?“, fragte Mini noch einmal nach und Mimi bestätigte mit einem heiseren „Ja“.

„Gut…den Hustensaft solltest du um Mittag rum noch mal nehmen…wenn du dich langweilst such dir ruhig einen Film zum Ansehen aus – und die Tüte mit den Brötchen steht noch in der Küche, falls du doch noch mal Hunger bekommen solltest…“, erklärte Dominik daraufhin noch schnell und streichelte Mimi bei diesen Worten noch einmal sehr zärtlich durch die kurzen Haare, „…gut, ich muss dann auch los…“, meinte Mini dann nur noch, bevor er sich von dem anderen lösen wollte.

Mimi war schlaftrunken und nicht ganz bei sich, als er jetzt allerdings nach Minis Hand griff, den anderen so wieder näher zu sich heran zog. Bevor er selbst bemerkt hatte, was er eigentlich tat, hatte er dem Kieler auch schon einen kleinen, sanften Kuss auf die Lippen gehaucht. Es war nicht mehr als ein kurzes Berühren ihrer Lippen und dennoch erschrak Mimi über sich selbst und über das, was er soeben getan hatte, als er gleich darauf in Minis überraschte, weit aufgerissene Augen blickte.

„Bis…später…“, hauchte Mimi leise, bevor er Dominik losließ und sich wieder in die Kissen sinken ließ, den Blick so sehr er es auch versuchte dabei allerdings nicht von dem Kieler abwenden konnte, „…du solltest dich beeilen, sonst kommst du wirklich noch zu spät…“

„Du…du wirst doch noch da sein, wenn ich wiederkomme?“, fragte Mini leise. Unsicher. Sein Blick dabei zerriss Mimi förmlich das Herz.

Mimi nickte. Er wusste selbst nicht, woher er die Sicherheit für dieses Versprechen nahm. Er wusste nur, dass er nicht weg wollte von hier. Von Dominik.

„Ja…“, nickte er also nur und sah dabei fest in Minis Augen. Das auf seine Antwort folgende Lächeln auf dem Gesicht des Linksaußen verursachte wieder ein Kribbeln in Mimis Bauch.

Definitiv nicht unangenehm.

Und als Mimi die Haustür ins Schloss fallen hörte wusste er, dass er die Stille in der Wohnung würde ertragen können – weil Mini bald wieder da sein würde.

 


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